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News

Florian Kohler — Inhaber von Gmund Papier

„Wir haben aus der Bauhaus-Idee ein Papier gemacht“

Material + Exzellenz

Florian Kohler

Florian Kohler führt eine traditionsreiche und innovative Papierfabrik in Gmund. Gerade hat er gemeinsam mit dem Bauhaus Dessau ein neues Papier entwickelt. Auf genau diesem lässt Walter Knoll sein Magazin Characters drucken

Interview

Herr Kohler, wieso braucht die Welt Bauhaus-Papier?
Papier war neben Holz der wichtigste Werkstoff in der Bauhaus-Lehre. Das ist heute nur wenigen bewusst. Wir wollten ein Papier, das wirkt wie ein Bauhaus-Gebäude. Modern, ästhetisch und unaufdringlich.

Wie kamen Sie von der Idee zum Material?
Unsere Papiere sind Gefühlspapiere, wir vermitteln die Wesenheit einer Marke durch die Qualität des Papiers. Aber um ein Gefühl auslösen zu können, muss man zuerst selbst eins bekommen. Wir haben also breit recherchiert, sind in unser Firmenarchiv gegangen – wir sind die älteste Designpapierfabrik der Welt – und haben nachgesehen, was wir denn selbst vor hundert Jahren produziert haben. Und natürlich sind wir nach Dessau ins Bauhaus gefahren, um die Atmosphäre dieses Schaffensortes zu erspüren.

Was steckt in der Marke Bauhaus?
Design für alle – das war eine der Grundideen des Bauhaus. Daran fühlen wir uns gebunden. Das Ergebnis ist ein zurückgenommenes Papier in perfekter Schlichtheit, komplett neutral, ohne Effekte, ohne Struktur. Ein Papier, das in jedem Aspekt exzellent ist und dennoch erschwinglich. Wir haben ein demokratisches Papier gemacht.

Ein unbeschriebenes Blatt erzählt keine Geschichte, heißt es. Dem stimmen Sie vermutlich nicht zu?
Wenn ich das glauben würde, würde ich meine Arbeit nicht so mögen, wie ich sie mag. Papier spricht zu uns, schon wenn es blank ist. Holz hat ja auch nicht erst dann eine Aussage, wenn ein Stuhl daraus geworden ist. Wir haben die Gewinnerkarten für die Oscars mit Gold überzogen, große Automobilfirmen ordern bei uns Papiere mit metallischem Glanz, aber wir entwickeln auch Hochzeitseinladungen, wenn uns eine Managerin wie Marissa Mayer aus dem Silicon Valley fragt. Es gibt niemanden auf der Welt, der eine solche Bandbreite abbildet wie wir. Wir stellen nicht einfach Papier her, wir betreiben Kommunikation über Papier.

Wer schreibt, wer druckt auf dem Papier Bauhaus Dessau von Gmund?
Unsere Kunden sind meist Großkunden, die damit Broschüren, Kataloge und Bildbände produzieren. Es ist ein Naturpapier, dennoch lässt es sich gut bedrucken. Wenn jemand zum Beispiel dieses Magazin von Walter Knoll aufschlägt und im ersten Augenblick das Gefühl hat, er kann in das Foto hineingehen, das er vor sich sieht, dann haben wir gute Arbeit geleistet.

Warum gibt es das Papier in zwei verschiedenen Weißtönen?
Das eine Weiß ist vollkommen neutral, ohne jeden Farbstich. Das Papier soll ganz hinter dem zurücktreten, womit es bedruckt ist. Helligkeit, Funktionalität, Materialität – das ist Bauhaus. Dem anderen Weiß dagegen haben wir einen bläulichen Ton gegeben, der ihm etwas sehr Modernes, noch nie Dagewesenes verleiht. Dieses Papier sagt: Mit mir fängt etwas Neues an. Denn auch das ist Bauhaus – Mut zur Vision, zum Aufbruch.


Zur Person

Florian Kohler leitet Gmund Papier in vierter Generation. Die Ursprünge des Betriebs im oberbayerischen Mangfalltal gehen auf das Jahr 1829 zurück. 2011 wird die Firma weltbekannt, als sie Umschläge und Gewinnerkarten für die Oscar-Verleihung fertigt. Die Papierfabrik ist wie Walter Knoll Mitglied im Meisterkreis, einem Netzwerk aus Unternehmen, Institutionen und Menschen, die sich für Kreativität und Qualität engagieren. www.meisterkreis-deutschland.com